Unverpackt Laden – aus gutem Grund

Sabrina Busse aus Höxter-Godelheim und Ihr mobiler Unverpackt Laden. Durch Zufall sind wir über das Angebot von Frau Busse online gestolpert. Sie betreibt seit November 2020 einen mobilen Laden und präsentiert Ihr Angebot auf lokalen Wochenmärkten u.a auch bei uns in Bad Driburg. Allerdings verkauft Sie keine klassischen Marktartikel, nein Ihre Ware wird unverpackt gekauft. Der Name ist hier Programm – mit dem Ziel Einwegplastik & Plastikmüll zu reduzieren.

Das hat uns neugierig gemacht und wir haben uns mit Ihr unterhalten:

Sabrina Busse im Interview

Frau Busse wie ist Ihre Idee zum Unverpackt Laden entstanden und welche Motivation treibt Sie persönlich an ?

Die Idee einen Unverpackt Laden zu eröffnen ist eigentlich aus der Not heraus geboren. Als wir vor drei Jahren nach Deutschland zurückgekommen sind, haben wir das Elternhaus meines Vaters umgebaut, viele Sachen gekauft und dabei ist eben auch viel Müll, vor allem Plastikmüll, entstanden. Da habe ich mich schon immer über die vielen gelben Säcke aufgeregt und angefangen möglichst ohne Verpackungen einzukaufen. Das ist aber im Kreis Höxter leider gar nicht so einfach. Klar Obst und Gemüse bekommt man unverpackt auf dem Markt, Wurst und Käse bekommt man auch in seinen eigenen Dosen, es sei denn es ist Corona, da wird es auch da aktuell etwas schwieriger, wobei es nicht verboten ist. Aber was ist mit den ganzen trockenen Lebensmitteln wie Nudeln, Müsli, Kaffee?!? Dafür bin ich dann in die Unverpackt Läden nach Paderborn oder Detmold gefahren! Aber immer 50 km mit dem Auto zurücklegen ist auch nicht wirklich nachhaltig.

Irgendwann keimte der Gedanke auf nach der Elternzeit mich beruflich neu zu orientieren mit einem eigenen Unverpackt Laden! Ich besuchte einen Onlinekurs bei der Gründerin des Berliner Unverpackt Ladens, belegte ein Existenzgründerseminar in Höxter und recherchierte ob es eine Möglichkeit für mich wäre. Ende Oktober 2019 entschloss ich, mutig zu sein und es einfach zu versuchen! Im Februar 2020 gab es dann die entscheidende Begegnung mit derjenigen die den ersten mobilen Unverpackt Wagen auf die Straße gebracht hat! Und dachte über ein mobiles Geschäft nach! Die Idee gefiel mir immer besser, denn wenn ich einmal nach Bad Driburg fahre ist es viel nachhaltiger als wenn 30 Kunden von Bad Driburg zu mir fahren! Wir sind hier im ländlichen Raum und die Wege länger. Es ist ein neue (altes) Konzept an das man sich erst mal gewöhnen muss.

Meine persönlich größte Motivation sind meine beiden bezaubernden Kinder, jede Mutter will doch nur das Beste für Ihre Kinder. Ich möchte dass Sie sich gesund ernähren und so wenig wir möglich mit Kunststoffen und Weichmachern in Berührung kommen. Ich möchte Ihnen in 50 Jahre sagen, dass ich alles versucht habe damit Sie gesund sind und in einer schönen Umwelt aufwachsen können. Und hoffentlich können Sie dann noch im Meer schwimmen und diese wunderbare Natur kennenlernen.

Welche Produkte führen Sie in Ihrem Sortiment und wird beim Einkauf auch auf nachhaltige Arbeit der Lieferanten geschaut (z.b Bio) ?

Meine Produkte sind bis auf wenige Ausnahmen alle aus kontrolliert biologischem Anbau. Ich versuche wenn möglich Regionale Produkte zu bevorzugen, ich habe z.B. ein Grundsortiment an Ölen, Essigen und Pestos von der Ölmühle Solling. Ebenso ganz tolle Kaffeebohnen die in Boffzen von der H2R Manufaktur geröstet werden. Tee bekomme ich von Annikas Teezauber aus Paderborn. Ebenso aus Paderborn sind die leckeren Linsenbratlinge und Kicherlinge (gewürzte Mischungen) von der Linsenmanufaktur.

Feste Dusch- und Haarseifen wird von der zauberhaften Annelie von Luise Seifen in eigener Herstellung im Solling gezaubert. Haushaltsartikel bekomme ich überwiegend vom Bürstenhaus Rhedecker. Des weiteren habe ich noch sehr coole Soulbottels, Glastrinkflaschen, aus Berlin, die einen Teil des Betrages z.B. an Viva con Aqua spenden und somit soziale Projekte unterstützen, damit jeder Mensch auf der Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser hat.

Flocken, Müsli und Mehle sind von der Bohlsener Mühle, also auch aus Deutschland.

Einen großen Teil der Produkte (Nudeln, Reis, Süßigkeiten, Hülsenfrüchte) bekomme ich von einem tollen Lieferanten aus Bayern mit dem der gesamte Unverpackt Verband, die kompletten Lieferketten und Verpackungen möglichst Plastikfrei umsetzt. Aus Freiburg von der Firma Fairfood bekomme ich fair gehandelte, geröstete Nüsse, Nussmischungen und Nussmuse.

Ich denke im gesamten habe ich ein tolles Basissortiment mit möglichst regionalen und nachhaltigen Produkten.

Das Thema ist sehr aktuell man schätzt das ca. 400 Millionen Tonnen Plastik weltweit pro Jahr produziert werden. Ein wesentlicher Teil davon landet als Plastikmüll in der Umwelt und auch in den Ozeanen, was schätzen Sie wieviel Plastikmüll durch Ihr Angebot eingespart werden kann/könnte?

Ja das kommt natürlich sehr darauf an, wie viele Kunden bei mir einkaufen. Aber dadurch, dass ich meine Produkte in Großgebinden bekomme, sehr viel!

Als Beispiel bekomme ich die Nudeln im 10 kg Papiersack! Im normalen Einzelhandel gibt es Sie in gewöhnlichen 500g (meist Plastik-) Packungen. Das würde bedeuten, dass alleine hier schon mal 20 Verpackungen gespart werden können. Das Beispiel ist aber noch nicht zu Ende, meist sind die 500g Packungen noch in Verpackungseinheiten a (ich bin mir nicht sicher aber sagen wir mal) 10 Verpackungen in Karton verpackt. Diese sind dann meist nochmal auf Palette gepackt und mit Stechfolie 10 (?!?) mal umwickelt. Das ist ja das erschreckende, wenn man sich die ganzen Lieferketten so anschaut. Meine Produkte kommen auf einem Rollcontainer und es fällt kein zusätzlicher Plastikmüll mehr an. Ein weiteres kurzes Beispiel sind die Nüsse, diese bekomme ich im Pfandgebinden zu 5kg. Im normalen Lebensmitteleinzelhandel sind diese meist in 200g Packungen zu finden, also 25 Kunststoffverpackungen gespart! Die Pfandeimer gehen wieder an den Hersteller zurück wenn Sie leer sind, werden gereinigt und kommen wieder in den Warenumlauf und landen bei einem anderen Unverpackt Laden.

Ich denke da können wir schon ganz viel bewirken und einiges an Kunststoffverpackungen einsparen. Auch in meinem Sortiment gibt es noch das eine oder andere was ich definitiv noch Optimieren kann und werde!

Wie funktioniert das Einkaufen bei Ihnen in der Praxis, bringen alle Kunden Ihre Transportbehälter selber mit ? Gibt es für den spontan Käufer Leih- oder Pfandbehältnisse ?

In der Praxis bringen Ihre Kunden gerne Ihre Behälter selbst mit, das dürfen Glasbehälter, Metalldosen, ein Jutebeutel (gut für Reis, Nudeln, Kaffee etc.), Kunststoffboxen (diese sind ganz gut für den Transport geeignet, da sie leicht sind und nicht kaputt gehen können) oder was einem immer auch lieb ist sein. Für den Spontan Einkäufer habe ich Beutel oder Gläser zum kaufen. Aktuell arbeite ich gerade an einem Pfandsystem mit Weißblech Eimern, diese sind aber eher für die Kunden gedacht die große Mengen abnehmen! Desweitern gibt es auch noch die Möglichkeit Großgebinde auf Bestellung zu ordern, z.B. den vorher genannten 10kg Sack Nudeln. Einfach Bescheid geben und ich bringe Ihn dann das nächste Mal mit zum Markt!

Welchee Artikel sind Ihre Verkaufsschlager ?

Die Verkaufsschlager sind die Süßigkeiten, davon aber auch alle ?

Die Müslisorten und Crunchmüsli sind bei den Kunden auch sehr begehrt. Nudeln und Reis sind auch sehr beliebt und vor Weihnachten wurden auch Nüsse sehr gerne gekauft. Hier bin ich gespannt ob das nur fürs Plätzchen backen war oder ob das auch weiterhin beliebt ist bei den Kunden. Die regionalen Seifen und auch die Bratlings Mischungen werden ebenso von meinen Kunden sehr geschätzt.

Wo finden unsere Leser Sie auf den Wochenmärkten ?

Aktuell bin ich alle zwei Wochen mittwochs in Holzminden auf dem Wochenmarkt, wöchentlich von 16-18.00 Uhr in Godelheim, direkt an der B64, dieses ist gedacht für Kunden die es zeitlich morgens nicht auf den Wochenmarkt schaffen. Freitags bin ich im Wechsel in Brakel (1+3 Woche im Monat) und Bad Driburg (2+4 Woche im Monat) auf dem Wochenmarkt zu finden und samstags bin ich immer in Höxter auf dem Markt. Ab März möchte ich dazu noch Donnerstags auf den Steinheimer Wochenmarkt kommen und hoffe auch dort ganz viele tolle, aufgeschlossene und nachhaltig denkende Menschen zu finden.

Danke für das freundliche Gespräch, wir finden das Thema und das Angebot von Frau Busse sollte tatkräftig unterstützt werden, im Sinne unserer Umwelt ! Davon haben wir nur Eine.