Made in Fernost ! – Achtung beim Online Shopping

Der Dauerlockdown und die damit verbundenen Schließungen im stationären Einzelhandel haben das Einkaufsverhalten in Deutschland verändert. Laut statistischen Bundesamt steigerte der Online Handel im Corona Jahr 2020 seinen Umsatz um rund 15 % Punkte auf rund 83, 3 Milliarden Euro.

Der Verbraucher hat kaum eine andere Wahl, viele Konsumartikel wie Kleidung, Elektro- Haushaltsgeräte und vieles mehr – konnten nicht mehr vor Ort erworben werden. Der Einzelhandel hat natürlich reagiert und auch den Wandel zum Online Shop gewählt, dies ging aber nicht von heute auf morgen. Der Kauf im Internet ist im Alltag des Menschen angekommen.

Gerade bei den wachsenden Absätzen ist eine erhöhte Vorsicht geboten, viele Online Angebote sind unseriös oder es werden Waren mieser Qualität geliefert.

Wir haben uns zu dem Thema mit dem Neuenheerser eCommerce Profi Tristan Süper über das Thema unterhalten.

Herr Süper warum sollte man bei utopisch tiefen Preisen im Internet skeptisch werden ? Wir Deutschen lieben doch Sonderangebote !

Viele Waren werden ausgesprochen oft in China produziert und sind von chinesischen Händlern noch günstiger zu erwerben. Auch ein Zwischenhändler kann in vielen Fällen gespart werden. Produziert der Händler die Ware selbst, kann er sie zudem zu einem wesentlich günstigeren Preis als üblich anbieten.

Die Tatsache, dass Waren, die im Rahmen eines Direktimports aus China erworben wurden, weitaus seltener zurückgeschickt werden, ist ein Aspekt, der ebenfalls dazu beiträgt, dass die Kostenkalkulation dieser Händler anders ausfällt und sich der Preis entsprechend geringer gestaltet. Zu alldem kommt noch der Umstand, dass die Gehälter und auch Mietkosten in Fernost wesentlich geringer sind.

Auch die Abmahnpraxis, an die deutsche Händler längst gewöhnt sind, fällt bei chinesischen Händlern weg: Es wird kein Konkurrent auf sie zukommen und sie aufgrund Verletzungen von Dokumentationspflichten oder Fehler in der Angebotsbeschreibung abmahnen, sodass insgesamt ein deutlich günstiger Preis angeboten werden kann.

Darüber hinaus kommen noch kleine Besonderheiten hinzu, die für Händler aus China & Co. wegfallen wie etwa die Zahlung von Beiträgen für die Stiftung Elektro Altgeräte Register (EAR), zu der Händler von Elektrogeräten in Deutschland verpflichtet sind.

Vorsichtig sollte man bei Online-Plattformen und -Shops wie etwa AliExpress, Gearbest, Banggood, Wish.com oder Lightinthebox.com sein, dort stößt man häufig auf Ware aus Fernost

Schaut man sich die Artikel und Beschreibungen auf den Plattformen an, sieht dies doch alles hochwertig und qualitativ gut aus, die Aufmachung ist meist professionell. Was denken Sie über die Qualität der Waren ?

Bestellt man Klamotten in China, so muss man sich vor Augen führen, dass die chinesischen Größen nicht identisch mit unseren europäischen sind. Auch wer die Kleidung ein paar Nummern größer bestellt, kann von der Qualität der Kleidung mehr als enttäuscht sein: Chemisch stinkende Klamotten, die völlig anders aussehen als auf der Produktabbildung, sind keine Seltenheit. Unabhängig davon muss man sich vor Augen führen, dass die Ware nicht nur stark von Chemikalien belastet sein kann, sondern auch unter schlechtesten (ethischen) Bedingungen produziert wurde – etwa unter Einsatz von Kinderarbeit.

Ein Beispiel für eine ausgesprochen hohe Schadstoffbelastung von Textilien: Die Verbraucherschutzkommission in Brüssel berichtet etwa von Lätzchen für Kinder, die einen extrem hohen Bleianteil aufwiesen. Doch auch bei vermeintlich harmlosen Gegenständen wie etwa Stofftieren ist Vorsicht geboten: So sollte man etwa bei Teddybären daran denken, dass sie bei einer Fernost-Qualität eine Belastung für die Lunge des Kindes darstellen können, wenn sich winzige Fasern lösen und eingeatmet werden.

Auch bei Kauf von Kosmetika aus China etc. muss an eine hohe Schadstoffbelastung gedacht werden, sodass man, will man eine vernünftige Kaufentscheidung fällen, von solchen Produkten lieber gänzlich die Finger lassen sollte.

Nicht von der Schadstoffbelastung betroffen sind übrigens Klamotten aus Fernost, die man bei großen Ketten wie beispielsweise H&M erwirbt, denn in diesem Fall muss die Ware eine Schadstoffprüfung überstehen.

Wie sind Ihre Erfahrungen im Bereich der Sicherheit der Artikel ?

Besonders beim Kauf technischer Geräte aus Fernost ist ausgesprochene Vorsicht geboten: Im schlechtesten Fall handelt es sich um lebensgefährliche Geräte, wie etwa das Beispiel chinesischer LED-Lampen zeigt, welche den Benutzern einen tödlichen Stromschlag verpassen können. Doch sind von diesem Missstand nicht ausschließlich Glühbirnen betroffen, sondern vor Kauf eines jeden Elektrogeräts aus Fernost sollte man sich vor Augen führen, dass es dort keine derartigen Sicherheitsbestimmungen gibt wie in der EU.

Auch kann man es mit gefälschten Qualitätssiegeln bei Elektrogeräten aus China & Co. zu tun bekommen, denn so mancher Händler möchte die Verkaufschancen seiner Produkte mittels solch perfider Mittel erhöhen.

Doch nicht nur komplette Geräte sind von solchen Missständen betroffen, sondern auch Ersatzteile, von denen Bastler sich erhoffen, sie zum Schnäppchenpreis erwerben zu können.

Wie ist die Praxis bei Garantie, Reklamationen und Rücksendungen ?

Hat man erst einmal mehrere Wochen auf ein Produkt gewartet und dieses außerdem zu einem extrem günstigen Preis erworben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich für einen Umtausch des Produktes entscheidet, sehr gering: Und selbst diejenigen, die das Produkt unbedingt zurücksenden wollen, stoßen häufig auf sprachliche Barrieren seitens der Verkäufer, werden von dem Händler abgewimmelt oder erfahren eine unzureichende Rücksendungsabwicklung. Natürlich sind nicht alle Verkäufer aus Fernost von dieser Problematik betroffen, aber tendenziell sollte man an das Auftreten solcher Missstände denken, wenn man sich für einen Kauf aus China & Co. entscheidet.

Das minderwertige Produkt landet schlussendlich in vielen Fällen im Müll – eine Belastung für unsere Umwelt!

Die Rechte des Käufers

Wer in Deutschland Waren verkauft, muss die Option bieten, Waren innerhalb von 14 Tagen zurückzuschicken. Auch eine komplette Erstattung des Kaufpreises oder eine 2-jährige Garantie sind Rechte des Käufers im Falle einer Rücksendung. In der Praxis werden solche Regelungen jedoch nicht ernst genommen, wenn die Ware aus Fernost verschickt wird. Den Weg über einen rechtlichen Beistand scheuen viele Käufer schon aufgrund des geringen Warenwerts – eine Tatsache, die etwa den ausländischen Verkäufern bewusst sein dürfte.

Rechtens ist es hingegen, dass die Kosten im Falle einer Rücksendung vom Käufer zu tragen sind. So kostet ein Paket nach China fast 50 € – ein Preis, der sich schlicht nicht lohnt, wenn sich der Warenwert auf China-Level bewegt.

Abschließend Ihre Meinung zum Online Schnäppchen Kauf in Fernost und Co ?

30 Tage lang auf ein Produkt warten und dann feststellen müssen, dass es sich um Müll handelt oder die Ware erst niemals zu Gesicht bekommen – um sich solchen Ärger zu ersparen, sollte man gut abwägen, welche Produkte aus Fernost man kauft, vor allem auch, wenn die Produktkategorie sicherheits- oder gesundheitsrelevant ist. Gerade die beiden letzteren Aspekte sind jedoch häufig nicht leicht einzuschätzen.

Bei manchen Teilen wie etwa Modeschmuck sind dennoch echte Schnäppchen möglich, doch auch das ist mit etwas Glück verbunden. Auch kann nicht allen Händlern aus Fernost eine skrupellose Vorgehensweise unterstellt werden hinsichtlich Käuferschutz, Schadstoffen und Qualitätssiegeln. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass sich in den Medien Berichte über schwarze Schafe gehäuft haben, sollte man unbedingt größte Vorsicht walten lassen.

Angesichts der Rücksendemöglichkeit, die sich meist nicht lohnt, ist insgesamt eher vom Kauf von Produkten aus Fernost abzuraten.

Also Augen auf beim Online Shopping – mag das Sonderangebot noch so verführerisch sein, nicht kopflos kaufen. Dann lieber beim Shop des Vertrauens oder beim lokalen Handel, ein paar Euros mehr bezahlen und sich Ärger ersparen.

Wir bedanken uns bei Herrn Süper für das Interview und die Verbraucher Tipps.