Homeschooling – Distanzunterricht – Digitaler Wandel

Die Schulen in unsere Region sind derzeit weiterhin im Lockdown, mindestens bis zum 15. Februar. Wir haben uns dem Thema angenommen und vor Ort nachgefragt. Herr Matthias Nadenau, Schulleiter am Gymnasium St.Kaspar in Neuenheerse war so freundlich und hat unsere Fragen beantwortet.

Gymnasium St.Kaspar Neuenheerse

1. Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem digitalen Distanzunterricht an ihrem Gymnasium?

Aus den verschiedenen Rückmeldungen, die mich erreichen, glaube ich heraushören und ablesen zu können, dass wir eine ganz gesunde Mischung der verschiedenen Formen des Distanzunterrichts an unserer Schule etabliert haben. Meine Kolleginnen und Kollegen überlegen stets sehr genau, welche Form für Ihre Lerngruppe gerade richtig ist. Dabei ist mir bewusst, dass der Distanzunterricht für Schülerinnen und Schüler, gerade bei unseren jüngeren Schülerinnen und Schülern auch für deren Eltern und ebenso für die Lehrkräfte eine besondere Herausforderung ist. Von allen fordert der Distanzunterricht viel mehr Anstrengung und Kraft als der normale Unterricht vor Ort. Insgesamt erleben wir Schülerinnen und Schüler, die die ruhigen Unterrichtsstunden zu Hause – und vielleicht manchmal auch die perfekte Betreuung durch die Eltern – nutzen, um effektiv und sehr fleißig zu arbeiten; gerade die Ruhigen scheinen da fast aufzuleben. Natürlich erleben wir auch die, die sich nur ganz schwer mit der Situation arrangieren können und ohne Interaktion mit Mitschülerinnen, Mitschülern und Lehrkräften nur sehr mühsam ins Arbeiten finden.

2. Frage: Sehen Sie in dem digitalen Unterricht eine gute Lernmöglichkeit für das berufliche Leben, wo mittlerweile auch immer mehr digital gearbeitet wird?

Ja, viele Schülerinnen und Schüler haben im Distanzunterricht Kompetenzen entwickelt, die im normalen Schulunterricht nur viel schwieriger zu vermitteln sind. Das betrifft insbesondere das selbstständige Arbeiten und die Nutzung digitaler Technik. Immer wieder erlebe ich es, dass unsere Schülerinnen und Schüler sehr gut reflektieren, welche digitalen Geräte für die Nutzung bei bestimmten Aufgabenstellungen besonders geeignet sind. Ganz konkret: Sie wissen inzwischen, dass Smartphone und auch Tablet nur manchmal ein guter Ersatz für ein richtiges Notebook sind. Viele werden zur Zeit gerade zu sehr reflektierten Nutzern „digitaler Möglichkeiten“.

3. Frage: Wie viele Schüler werden bei ihnen in der Notbetreuung aktuell beschult?

Das variiert; es sind allerdings stets nur einige wenige. Es ist uns wichtig, das Angebot auch für diese wenigen aufrecht zu erhalten.

4. Frage: Aktuell wird diskutiert, ob die Schülerinnen das Jahr anerkannt bekommen oder alle sitzen bleiben sollen. Wie sehen Sie diese Diskussion?

Natürlich muss meiner Meinung nach den Schülerinnen und Schülern bescheinigt werden, dass sie in diesem Jahr gearbeitet und etwas gelernt haben – denn das haben sie, davon bin ich überzeugt. In welchen juristischen Rahmen das auch immer gegossen wird – es ist vor allem wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler sich fair behandelt fühlen, dass sie sich fair behandelt fühlen können.Übrigens: In meiner eigenen Grundschulzeit – Volksschule hieß das damals noch – habe ich zwei Kurzschuljahre erlebt; da wurden zwei ganze Schuljahre in fünfzehn Monate gepackt. Wenn Sie so wollen, hat meine Generation also auch fast ein ganzen Schuljahr verpasst. Das hat alle gleichermaßen getroffen und war für unser späteres Leben letztlich ohne Konsequenzen.

5. Frage: Wie wichtig sehen sie den Unterricht vor Ort für Schüler/innen?

Wie wichtig der Unterricht vor Ort ist, das ist in den letzten Monaten sehr deutlich geworden. Auch Distanzunterricht funktioniert nämlich dann besonders gut, wenn vorher der Unterricht vor Ort gut war. Das habe ich gerade selbst bei einer vom Kreis Höxter ausgerichteten Lehrerfortbildung in mehreren Blöcken erlebt, bei der die beiden letzten Blöcke „in Distanz“ waren. Das klappte gut, weil die vorangehenden Ausbildungsblöcke vor Ort gut gelungen waren.

6. Frage: Wie sieht ihrer Meinung nach die Zukunft des Schulunterrichts aus?

Jetzt wissen wir erst recht, wie wichtig gute Lehrerinnen und Lehrer und guter Unterricht für die junge Generation sind. Und die digitale Technik hat sich endgültig ganz selbstverständlich im Unterricht etabliert.

Vielen Dank an Herr Nadenau für seinen Einblick – wir wünschen Ihm und seinen Team Alles Gute, in dieser fordernden Zeit.