Messer mit Leidenschaft aus Neuenheerse

MEN:SCHEN und Ihre Geschichten…

Im Rahmen dieser Rubrik berichten wir über Menschen und Ihren Geschichten aus unser Region. Heute haben wir mit Herrn Jürgen Witte aus Neuenheerse gesprochen. Dieser hat ein besonderes und spannendes Hobby – er fertigt hochwertige Messer. Das hat uns neugierig gemacht.

Nachfolgend im Interview:

Herr Witte, wie sind Sie auf das Hobby gekommen Messer herzustellen ?

Seit dem Schulalter trage ich eigentlich immer ein Taschenmesser bei mir. Ich sehe in einem Messer ausschließlich ein nützliches Werkzeug, welches uns seit Menschengedenken begleitet.

Nachdem ich im Internet tolle handgefertigte Messer gesehen hatte, kam bei mir vor Jahren der Wunsch auf, ein Messer selbst herzustellen. Ich kaufte mir Fertigklingen, besorgte heimische Hölzer und Werkzeuge für die Lederbearbeitung. Schnell war ich mit dem Messervirus (ganz harmlos) infiziert und besuchte Messen, Ausstellungen und Damastschmieden.

Waren Sie auf Ihr erstes selbst hergestelltes Messer stolz ?

Auf jedes selbst hergestellte Messer ist man stolz. Es ist etwas „Nutzbares“ entstanden. Ob aus geschmiedeten Damaststahl oder Monostahl, es ist ein Schneidwerkzeug, welches je nach Messerform in der Küche, bei Outdooraktivitäten, der Jagd oder zum Schnitzen genutzt werden kann.

Diesen Stolz sehe ich auch bei anderen Messermachern, wenn sie mir ihr Messer für die Herstellung einer Lederscheide bringen.

Wie lange brauchen Sie für die Herstellung eines durchschnittlichen

Messers und welcher Arbeitsschritt erfordert die meiste Zeit ?

Da ich meistens nicht selber Schmiede, kaufe ich den Damast- oder Monostahl als Flachstahl.

Danach folgen die Arbeitsschritte:

– Klinge am Bandschleifer und mit Handarbeit in die gewünschte Messerform schleifen

– Klinge Härten und Anlassen

– vom Zunder befreien und bei Damaststahl ätzen, damit die Struktur des Damastes sichtbar wird

– Griff anbringen

– Messerlederscheide herstellen

– Messer auf dem Bankstein schärfen

Dies kann schon mal bis zum 20 Stunden dauern.

Wo liegen die Preise für ein kunstvoll hergestelltes Messer ungefähr ?

Das hängt vom Arbeitsaufwand und den verwendeten Materialien ab. Ein besonders dekorativer Damastrohling kann schon mal € 150,00 und ein klasse Stück Wüsteneisenholz € 100,00 kosten.

Deshalb möchte ich hier keine Angaben machen.

Wer bestellt bei Ihnen Messer und zu welchem Anlass?

Meist sind es Jäger und Menschen die in der Natur unterwegs sind. Aber auch Kochmesser werden nachgefragt. Für einen runden Geburtstag, eine Verabschiedung oder auch Hochzeit habe ich schon Messer gemacht.

Haben Sie ein Lieblingsmesser oder welches Messer war für Sie in der Herstellung ein besonderes ?

Für mich habe ich ein Messer gebaut aus Wootzstahl mit Wüsteneisenholz aus der Sonorawüste, einem Stückchen Mammutelfenbein und einer Rindslederscheide mit einer Einlage aus Barramundi-Fischleder. Den Wootzstahl habe ich selbst aus einem Barren ausgeschmiedet. Der Schmelzdamaszenerstahl muss langsam und daher in vielen Hitzen in die gewünschte Form geschmiedet werden. Hat sehr viel Kohlenstoff und bleibt lange scharf.

Können Sie sich vorstellen noch im hohen Alter ihrem Hobby nachzugehen ?

Ja definitiv. Ich kenne einen Messermacher der noch mit fast 85 aktiv ist.

Was vermissen Sie in dieser Corona Zeit ?

Als Messermacher sind dies Messerbörsen und Messen, wie insbesondere die PaderBow in Paderborn auf der ich seit Beginn 2013 selber ausstelle. Auch das persönliche Fachsimpeln mit heimischen Messermachern und Messerbegeisterten fehlt.

Bild eines meiner letzten Messer. Damast mit Wüsteneisenholz und Rindslederscheide mit einer Einlage aus Aalleder von der Schlei.

Weiter Informationen und Fotos, auf der Webseite von Herrn Witte:

www.jw-messer.de

Wir bedanken uns, für das Interview und wünschen Herrn Witte weiterhin viel Spaß bei seinem ausgefallenen Hobby.

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