Urban Exploring – Sightseeingtour mal anders

MEN:SCHEN und Ihre Geschichten

Im Rahmen dieser Rubrik berichten wir über Menschen und Ihren Geschichten aus unser Region.

Wenn ein Bild eine Geschichte erzählt und der Ort wieder lebendig wird.
Dieses spannende Hobby übt Andreas Lange aus Bad Driburg aus. Urban Exploring bedeutet auch den Respekt vor Lost Places. Sinngemäß versteht man darunter: „Lost Places“ oder Orte, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Verwilderte Gebäude, Geisterdörfer, ehemalige Freizeitparks, die keine mehr sind, aber physisch noch existieren.

Wir haben mit Andreas über seine Leidenschaft gesprochen:

Wie bist du zu so einem ungewöhnlichen Hobby gekommen?

Es fing früh an, als ich sechs Jahre alt war wurde ich auf das ehemaligen Kinderheim bekannt auch als Haus Elmar aufmerksam. Als ich des Öfteren mit meiner Oma auf dem Friedhof war der sich in der Langenstraße befindet und als ich dort ein Gebäude was deutlich eine Ruine war erkundet habe blieb in mir diese Neugier stecken.
Und so fing das erst ohne Kamera an und erst 2012 fotografierte ich meine ersten Lost Places.

Was ist das besondere an diesem Hobby ?

Das besondere an diesen Hobby ist das man nie weiß wo die Reise hin geht, quer durch Deutschland reise ich für das perfekte Bild, aber auch die Gebäude sind immer wieder was besonderes und erzählen mir oft von ihrer Geschichte.

Ein Bild erzählt mehr als tausend Wörter, ist das so ?

Das ist richtig, oft brauch man ein Bild nicht beschreiben sondern einfach nur zeigen und die Betrachter bringen ihre eigene Geschichte zum Ausdruck was oft recht interessant ist.
Aber wenn ich hier ein Bild zeige wo zum Beispiel Möbel drauf zu sehen, sind aus dem Jahr 1770, denke ich das dieses Bild schon mehr als tausend Worte ausdrückt.

Wie entsteht das perfekte Foto?

Das perfekte Foto entsteht bereits bei der Aufnahme mit sogenannten „Belichtungsreihen“, sprich ich mache von einem Motiv 22 Bilder von ganz schwarz bis Schnee weiß – bekannt auch als unter- und überbelichtet. So geht das von Motiv zu Motiv durch das gesamte Gebäude, wo auch viel Zeit investiert werden muss, teilweise sogar ein gesamten Tag. Manchmal durchaus zwei komplette Tage. Diese Aufnahmen werden zuhause jeweils übereinander gelegt, die sogenannte HDR wird erzeugt, dazu werden Schatten und Licht Korrekturen durchgeführt und das Bild in Sachen Farben mehr oder teilweise weniger gesättigt, je nach Ort und Motiv.

Was macht das Urban Exploring für dich so besonders ?

Das Urban Exploring zeigt mir in erster Linie wie schwach und vergänglich wir doch sind. Wie die Natur ohne uns zurecht kommt und sich nach und nach alles zurückholt was wir ihr genommen haben. Aber auch oft ist es eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit, wo man Dinge sieht die man eigentlich nur in Museen vorfindet. Das nächste ist das man in und an Orten unterwegs ist, die für das normale menschliche Auge unsichtbar bleiben, wie zum Beispiel ein alter Atombunker oder verlassene Villen die mitten in den Wäldern stehen.

Welche Fehler können passieren – was muss man beachten ?

Fehler gibt es reichlich und zeigen sich oft durch falsches persönliches Verhalten.
Auch die Ausrüstung ist wichtig, falsches Schuhwerk z.B., da Nägel, Scherben durch die Sohle gehen und zu schweren Verletzungen führen können, aber auch am restlichen Körper kann man sich in einen Lost Places schwer verletzen oder vergiften. Hier muss man immer auf seine eigene Sicherheit achten.

Verlassene Gebäude sind ein Anziehungspunkt für so genannte „Kabelratten“ (Diebe), die das Kupfer aus den Gebäuden holen, Illegal natürlich. Einige lassen alles zurück und ziehen ab andere können gefährlich werden und Schrecken vor Handgreiflichkeiten nicht zurück, aber auch bewaffnete Übergriffe gab es schon wo unter anderem Fotografen schon schwer verletzt wurden.

Man sollte auch nicht jede Tür aufreißen wenn man in einem Gebäude unterwegs ist was schon in sich zusammenbricht, die Tür kann ein tragendes Element sein und beim Öffnen kann das Gebäude in sich zusammenbrechen was fatale folgen mit sich bringen kann

Wenn man die Erfahrung nicht hat sollte man besser diese Gebäude meiden, Böden können auch wenn sie morsch sind noch eine Last tragen, aber die Erfahrung bringt die Trittpunkte mit sich und man weiß wie und wo man sich im Gebäude bewegen sollte. Weitere Gefahren wie Asbest, Eternit oder Erdgas können vor Ort lauern.

Da hilft auch keine Krankenhaus Maske oder der Schal vor den Mund nichts, sondern fordert schon richtig hochwertige Masken die diese Partikel filtern. Bei Erdgas Verdacht muss ein Messgerät zwingend am Mann sein wenn man tief unter der Erde gehen will.

Abschließend ist mir noch ganz wichtig zu erwähnen, das ich immer den Ehren Kodex der Urbaner einhalte. Dieser besagt: das am Ort nichts verändert wird, nichts mitgenommen oder gar kaputt gemacht wird. Leider halten sich nicht alle an dieses Gebot, was ich sehr Schade finde !

Kein Hobby für schwache Nerven ! Wir bedanken uns für den Einblick in ein ganz spezielles Hobby.

Hier sind noch weitere spannende Fotos, von seinen Lost Places